
04. Dezember 2025
Bergisches Land: Neviges - Wallfahrtsdom trifft Bergischen Dreiklang
Neviges ist ein Ort der Gegensätze. Weltbekannt ist der Stadtteil von Velbert durch den 1968 eingeweihten Mariendom im Stile des Brutalismus, der architektonisch entweder verstört oder begeistert. Nur ein paar hundert Meter weiter – rund um die Evangelische Stadtkirche – trifft man am Rundling auf Bergisches Fachwerk vom Feinsten.
Am Anfang stand eine Wallfahrt zum Hardenberger Gnadenbild der unbefleckten Empfängnis Mariens, die ihren Ursprung im Jahr 1681 hatte. Als Auslöser gilt der Fürstbischof von Paderborn und Münster, der nach schwerer Krankheit unerwartet seine Gesundheit wiedererlangt hatte und zum Dank eine Pilgerfahrt nach Neviges unternahm und dort zudem die Fertigstellung des bereits im Bau befindlichen Franziskanerklosters finanzierte. Papst Clemens XII. versprach im 18. Jahrhundert allen Hardenberg-Pilgern großzügig völligen Ablass der Sündenstrafen.
Bis 1968 war die Kirche St. Mariä Empfängnis Wallfahrtskirche, die aber schon bald dem Strom von bis zu 10.000 Pilgern an einem einzigen Sonntag nicht mehr gewachsen war. 1965 fiel daher die Entscheidung für den Bau einer neuen Wallfahrtskirche. Der architekturhistorisch dem Brutalismus zuzurechnende Bau wurde vom Architekten Gottfried Böhm entworfen und auf persönlichen Wunsch des damaligen Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings wurde er mit dem Bau beauftragt. Von Anfang an polarisierte der Mariendom die Besucher. In jedem Fall ist die zweitgrößte Kirche nach dem Kölner Dom im Erzbistum Köln ein bedeutendes Beispiel neuzeitlicher Kirchenarchitektur, das es zu besuchen und zu besichtigen lohnt. Der Bau erinnert auf den ersten Blick an eine sich auftürmende Felsenskulptur, andere erkennen ein Pilgerzelt oder auch einen Affenfelsen.
Ein Besuch des Innern der Kirche ist unbedingt zu empfehlen. Sehr beeindruckend ist der großzügige Zentralraum mit dem Altar im Zentrum des Kirchenraums, der durch ein über 2700 Quadratmeter großes und frei tragendes Faltwerkdach nach oben abgeschlossen wird. Das schlichte Betongrau der Wände steht dabei im Gegensatz zu den farbigen und großflächigen Fenstern, die häufig mit Rosenmotiven verziert sind.
Nach dem Verlassen des Mariendoms wird man nur wenige hundert Meter entfernt wieder bergisch geerdet, wenn der „Rundling“ genannte historische Ortskern von Neviges rund um die Evangelische Stadtkirche erreicht ist. Gut erhaltene bergische Fachwerkhäuser im bergischen Dreiklang aus schwarz-weißem Fachwerk und grünen Fensterläden laden zum Verweilen und Entdecken ein.
Am nördlichen Ortsrand von Neviges lohnt zudem ein Besuch des Schlosses Hardenberg, einer Schlossanlage aus dem 15. Jahrhundert, bestehend aus Herrenhaus, Vorburg und Mühlengebäude sowie umgebender Gartenanlage. Urkundlich erwähnt wurde der Wohnsitz der Hardenberger Herren allerdings erstmals bereits im Dezember 1354. In der Folgezeit bis ins 19. Jahrhundert hinein wechselte die Anlage häufig die Besitzer, bis im Jahr 1939 die Stadt Velbert das Anwesen kaufte. Die Vorburg wird seit ihrer Sanierung als Veranstaltungshaus genutzt, das Herrenhaus wurde 2003 wegen baubedingter Schäden geschlossen und wird aktuell (geplant bis 2026) zu einem Erlebniszentrum für Natur und Umwelt umgestaltet.
Perfekt erwandern lassen sich die Nevigeser Gegensätze auf der knapp fünf Kilometer langen Entdeckerschleife „Protestanten und Franziskaner“, die auf naturbelassenen Pfaden auch einen Fernblick auf den benachbarten Stadtteil Langenberg und seine Senderanlage ermöglicht.
Informationen:
- LAGE: Velbert liegt etwa 25 Kilometer nordöstlich von Düsseldorf. Velbert-Neviges liegt etwa acht Kilometer südwestlich des Velberter Stadtzentrums.
- WEBSITE: wallfahrt-neviges.de
- AKTIVITÄTEN:
- Kreuzweg: Am Hang des Kreuzbergs gelegener Wallfahrtsweg, der den Leidensweg Christi an 14 bebilderten Kreuzweg-Stationen nachbildet.
- Entdeckerschleife „Protestanten und Franziskaner“: Länge knapp fünf Kilometer, 96 Höhenmeter: neanderland.de/tour/entdeckerschleife-protestanten-und-franziskaner (inkl. GPX-Download)
- Schloss- und Beschlägemuseum Velbert
- Velbert-Langenberg
Beitragsbild: Am Rundling. Foto von Janett Schindler und Andreas Walter
Buchtipp: Bergisches Land – HeimatMomente
50 Mikroabenteuer zum Entdecken und Genießen (Inkl. vier digitale Ausgaben des Reisemagazins "360° HeimatReisen")
Grüne Hügel, dichte Wälder, wilde Bach- und Flussläufe sowie idyllisch gelegene Talsperren prägen die Natur des Bergischen Landes. In vielen Ortschaften finden sich die Bergischen Fachwerkhäuser mit weißem Gemäuer, schwarzen Balken und grünen Fensterläden – dem Bergischen Dreiklang. Das Bergische Land ist aber auch eine der ältesten Industrieregionen Deutschlands, in der einst an Flussläufen Hämmer, Mühlen und Schleifkotten entstanden und die Entwicklung von Städten wie Wuppertal, Solingen und Remscheid begünstigten, in denen heute ein vielfältiges Kulturangebot Einwohner und Besucher begeistert.
Das Autorenteam nimmt Sie in diesem Buch mit in die Erlebniswelt Neandertal, in der die Geschichte der Menschheit lebendig wird, begleitet Sie im Kaiserwagen der Schwebebahn durch Wuppertal und führt Sie nach Schloss Burg, zum ehemaligen Stammsitz der Grafen von Berg. Die zahlreichen Talsperren im Bergischen Land werden zu Fuß oder mit dem Fahrrad entdeckt und im Freilichtmuseum in Lindlar wird der in der Vergangenheit nicht immer ganz leichte Alltag auf dem Land erlebbar. Sie werden überrascht sein, wie viele Abenteuer im Bergischen Land auf Sie warten!
Über die Autoren:
Janett Schindler schreibt auf ihrem Blog teilzeitreisender.de über Kurzreisen und Ausflugsziele rund um ihren Heimatort Dormagen. Auf ihrer Suche nach spannenden Orten abseits von Köln und Düsseldorf entdeckte sie vor einigen Jahren das Bergische Land und ist seitdem regelmäßig zu Gast. Ein Buch mit ihren Erlebnissen krönt ihre Leidenschaft fürs Bergische.
Andreas Walter ist Verleger des in Mettmann ansässigen Verlags 360° medien und Chefredakteur des Magazins 360° HeimatReisen. Als gebürtiger Mettmanner kennt er das Bergische Land in allen seinen Facetten. Daher war es ihm eine Herzensangelegenheit, über die Region „vor der eigenen Haustür“ zu schreiben.
Stimmen zum Buch:
"In der Tat sind die Mikroabenteuer nicht nur etwas für auswärtige Besucher. Vielen Haanern dürfte nicht bewusst sein, welche spannenden Attraktionen die südlichen Abschnitte der historisch gewachsenen Region bieten." Haaner Treff vom 03.01.2025
Mit Kauf des Buches erhalten Sie zusätzlich einen Download-Code für vier digitale Ausgaben des Reisemagazins 360° HeimatReisen. Mehr Infos zum Magazin finden Sie unter 360grad-medienshop.de/Magazine/Heimatreisen
- Taschenbuch: 256 Seiten, 274 Fotos, 7 Karten
- Format: 16,5 x 11,5 cm
- Verlag: 360° medien
- Auflage: 2. Auflage 2024
- Preis: 16,95 €
- ISBN: 978-3-96855-386-3
- Bestellmöglichkeit im Buchhandel oder über den Verlagsshop: 360grad-medienshop.de/hm-bergisches-land








