Normandie: Sentier Littoral - die Küste entlang!
Normandie: Sentier Littoral - die Küste entlang!

26. März 2026

Normandie: Sentier Littoral - die Küste entlang!

Gabelous, so hießen die Zollbeamte des Ancien Régime. Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert schützten sie auf extra angelegten Wegen und Zollposten das französische Binnenland vor Schmugglern, Plünderern und Zollbetrügern. Ihre Zöllnerwege, auf Französisch Les Sentiers des Dounaniers genannt, sind heute traumhaft schöne Wanderwege abseits des Verkehrs.

5800 Kilometer lang laden die Zöllnerwege ein, der vielgestaltigen französischen Küste zu folgen. Und auch auf dem Sentier Littoral de la Normandie folgt ein Highlight auf das nächste. Klippe, Sandstrand, stille Bucht: Was für eine einzigartige Parade maritimer Landschaften!

Sämtliche Küstenwege gehören zum Netzwerk der Grandes Randonnées. Wer ihrer weiß-roten Markierung folgt, kann Frankreich kreuz und quer zu Fuß entdecken. Der Küstenweg der Normandie beginnt als Grande Randonnée GR 21 in Le Tréport. Das alte Fischerdorf an der Mündung des Flusses Bresle wandelte sich mit der Ankunft der Eisenbahn zum Badeort. Eine Standseilbahn führt hinauf auf die Klippen, von denen sich weite Ausblicke auf das Städtchen am Ärmelkanal eröffnen. Sein Quartier des Cordiers wurde dem Meer abgerungen und am Fuße der Klippen auf einem Kieselsteinbett errichtet, um den örtlichen Fischerfamilien Wohnraum zu bieten. Der Name des Viertels verweist auf ihre ganz besondere Art zu fischen. Da die Cordiers zu arm waren, um mit Netzen zu fischen, betrieben sie den Fischfang mithilfe von Seilen, die mit Haken besetzt waren, an denen Meereswürmer hingen.

Auf dem Sentier Littoral bei Étretat. Foto von Hilke Maunder

Vorbei an Dieppe, dem ältesten Seebad Frankreichs, geht es hoch auf der Klippe im leichten Auf und Ab nach Varengeville, wo der Maler Georges Braque 35 Jahre lang die Sommer verbrachte und auf dem Friedhof der kleinen Kirche Saint-Valéry ruht, für die er einst ein Kirchenfenster geschaffen hatte. Vorbei an Veules-les Rose mit dem kürzesten Fluss Frankreich und den berühmten Kreidefelsen von Étretat präsentiert die GR 21 bis Le Havre die ganze Vielfalt der normannischen Alabasterküste. Kein Wunder, dass diese Route im Jahr 2019 zum beliebtesten Wanderweg der Franzosen gewählt wurde!

Die „Planches“-Promenade von Trouville. Foto von Hilke Maunder

Jenseits der Seine, die kostenlos die Fähren der Bacs de Seine überqueren, folgt der alte Zöllnerpfad als 446 Kilometer lange GR 223 ab Honfleur der Blumenküste; vorbei an legendären Seebädern wie Trouville, Deauville und Cabourg mit breiten, hellen Sandstränden und Prachtbauten der Belle Époque. An der Mündung der Orne beginnen die Landungsstrände der Perlmuttküste, an denen beim D-Day die Befreiung Europas vom Nazi-Terror begann. Wer dem Weg weiter folgt, erreicht den Cotentin. Mit ihren stürmischen Felskaps ist die wilde Halbinsel bereits ein Vorbote der Bretagne. An der äußersten Nordspitze des westlichsten Départements der Normandie verwandelt die Meeresströmung Raz Blanchard selbst bei Windstille das Meer in eine tosende See. „Europas Kap Hoorn“ heißt das Cap de la Hague unter Seefahrern daher auch bis heute. Malerische Granitdörfer welchseln mit einsamen Heideflächen und weiten Dünen, während in Frankreichs kleinstem Hafen, Port Racine, die Fischer Hummer an Land holen. Sanfter wird es wieder in Barneville-Carteret, wo blau-weiß gestreifte Strandhütten die Plage de la Potinière säumen. Vorbei an Granville mit dem Sommerhaus von Dior erreicht der normannische Küstenpfad die Bucht des Mont-Saint-Michel mit weltberühmten Klosterberg. Eine Kulturwelterbe zum Ende der Wanderung: was für ein furioses Finale!

Am Cap de la Hague. Foto von Hilke Maunder
Informationen:

Beitragsbild: Der Wanderweg GR 21 bei Varengeville. Foto von Hilke Maunder

Buchtipp: Normandie - 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Die Netflix-Serie „Lupin“ hat die Normandie zu einem touristischen Hotspot gemacht. Bei den 50 Tipps in diesem Buch treffen Sie garantiert keine Massen, sondern erleben die zahlreichen Facetten einer Normandie, die hinter jeder Biegung neue Erlebnisse und Überraschungen bereithält. Und vor allem eines ist: „insolite“, wie die Franzosen sagen – ursprünglich, authentisch und wunderschön.

Die Landpartie durch die andere Normandie beginnt im steten Auf und Ab der Vélomaritime, führt zu den Leinenfeldern des Vallée du Dun, zu zottigen Bisons im Hinterland von Dieppe und tief hinein ins Bauernland des Pays de Bray, Heimat des ältesten Käses der Normandie. Im Tal der Seine schmücken Irisblüten auf hellem Reet die Giebel alter „chaumières“, und Störche brüten im Marais Vernier. Über die Höhen vom Perche geht es hin zur Normannischen Schweiz mit ihren Schluchten und Bergen, die Gesicht zeigen und die Erdgeschichte offenlegen. Die Landpartie durch die Normandie endet am Couesnon, der schuld daran ist, dass heute der Mont-Saint-Michel zur Normandie gehört, und nicht, wie einst, zur Bretagne. Entdecken Sie 50 Juwelen abseits der Massen in den schönsten Ecken der Normandie. Bienvenue!

Über die Autorin:
Die Journalistin Hilke Maunder, geboren 1961, berichtet seit drei Jahrzehnten aus Australien und Frankreich. Als Hamburgerin fühlte sie sich in der Normandie sofort zu Hause. Der hohe Himmel, die weiten Landschaften und die reiche Kultur des Landstrichs haben es ihr dort besonders angetan. Zum Prinzip ihrer Reisen gehört es, möglichst nie die gleiche Straße zu nehmen. 50 der Tipps, die sie so entdeckt hat, verrät sie in diesem Buch. 2014 verlieh Frankreich der Autorin die französische Verdienstmedaille des Tourismus.

  • Taschenbuch: 256 Seiten, 220 Fotos, 8 Karten
  • Format: 16,5 x 11,5 cm
  • Verlag: 360° medien; 4. Auflage (Oktober 2025)
  • Preis: 16,95 €
  • ISBN: 978-3-96855-300-9

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