
13. November 2025
Faroer Inseln: Dúvugarðar - historischer Bauernhof von Saksun
Saksun ist weit mehr als ein schönes Dorf in einer spektakulären Bucht. Es ist ein jahrhundertealter Ort, in dem Bauern dem kargen Landstrich ihre Lebensgrundlage mühselig entlockten. Saksun ist erhalten gebliebene, lebendige Geschichte. Das erfährt man umso besser, wenn man den Bauernhof Dúvugarðar tatsächlich betritt.
Die Gebäude sind original erhalten und atmen noch die Luft der über 300 Jahre alten, bäuerlichen Vergangenheit. Dunkel ist es und hölzern. Urig könnte man meinen. Eng wird es, wenn man sich vorstellt, dass etwa 15 bis 20 Personen zeitgleich im Haus lebten. Jeweils zwei Personen schliefen in Hockstellung in extrem kurzen Bettnischen, was das Abhusten erleichterte und die Wärme erhöhte. Der ewige Qualm im Haus ruinierte über die Jahre ihre Lungen. Unzählige original erhaltene Gegenstände des Bauernhofes erzählen vom harten Alltag, vom Spinnen und Stricken, vom Fischen und Schafe halten. Trotz der Enge gab es ein Zimmer, das ausschließlich für den Priester reserviert gewesen war, wenn er ins Dorf kam.
Bis 1976 wohnte die Schwiegertochter des letzten Bauern im Westflügel des Hauses. Seitdem steht es leer. Die mit Grassoden bewachsenen Gebäude des Hofes über der Bucht sind das Sinnbild von Saksun und prägen den malerischen Ort. Bereits seit den 1960er Jahren ist der Komplex ein Museum, das die bäuerliche Lebensweise im 18. Jahrhundert zum Leben erweckt und originalgetreu allen Interessierten vermittelt. Seit 2024 wird auch das Außengelände vollständig mit einbezogen.
Betritt man den Hof, so wandelt man heute auf einem Weg, der erst im Zuge der beginnenden Restaurierungsarbeiten ausgegraben wurde. Vergessen und überwachsen schlummerte er im 100-jährigen Dornröschenschlaf unter einer Schicht aus Erde und Gras. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken: zum einen die Perspektiven zwischen den Gebäuden hindurch auf die Bucht, zum anderen die Schmiede, die Scheune, den Angelika-Garten und weitere Kostbarkeiten der Vergangenheit, die geborgen wurden. Es ist so fantastisch, dass bereits etliche Filme in den Gebäuden und auf dem Hof gedreht wurden, wie beispielsweise 1997 Barbara.
Obwohl ein Teil der Gebäude zum nationalen Museum zählt, bemüht sich vor allem die lokale Bauernfamilie privat um den Erhalt und im Besonderen um die Bergung des historischen Schatzes. Und genau das ist er: Der Bauernhof in Saksun ist in seiner Beschaffenheit mit der originalen, lokalen Ausstattung und Lage einzigartig auf dem gesamten Archipel. Mit etwa 700 Schafen auf 2500 Hektar bewirtschaftet die Familie den größten Schafhof der Färöer und hat damit eigentlich alle Hände voll zu tun. Das ist gar nicht so leicht an einem Ort, der im Sommer von tausenden Reisenden geflutet wird, die sich nicht immer respektvoll verhalten, Grenzen in mehreren Hinsichten überschreiten und das Weideland zertreten. Es gleicht einem Wunder, dass die Familie, statt die Flucht zu ergreifen, den Ort in ein lebendiges Museum verwandelt. Es ist ein Ort, an dem seit Jahrhunderten Schafe weiden und Gänse in den Tümpeln baden. Ein Ort, der ihr Zuhause ist und für andere ein erfüllender Besuch werden kann.
Informationen:
- LAGE: Im Norden der Bucht Saksun, etwa zehn Kilometer westlich von Hvalvík und etwa 37 Kilometer nördlich von Tórshavn. Es gibt bisher keinen öffentlichen Nahverkehr nach Saksun. Hinter dem bei Anglern beliebten See Saksunarvatn geradeaus bleiben und nicht die erste Abzweigung links nehmen.
- ADRESSE: Saksunarvegur 1, 436 Saksun
- WEBSITE: duvugardar.fo
- HINWEISE:
- Der plötzlich einströmende Massentourismus Mitte der 2010er Jahre hat bei der Bevölkerung tiefe Spuren hinterlassen. Bitte auf jeden Fall den Hinweisschildern Folge leisten! Unzählige Reisende haben durch teils unverschämtes Verhalten im Umgang mit den Tieren und Kindern des Hofes für verständlichen Missmut gesorgt. Wenn man die Bäuerin danach fragt, antwortet sie gern und ausführlich. Für ethisches Reisen ist ein respektvoller Umgang essenziell.
- Wenn tausende Füße die Weidelandschaft für ein gutes Foto in eine Schlammlandschaft verwandeln, bleibt nichts mehr wie es war. Deshalb bitte an die ausgeschilderten Wege halten und die Absperrungen nicht übertreten. Zukünftige Generationen danken es uns.
Beitragsbild: Saksun ist ein Bauerndorf in einer spektakulären Bucht. Foto von Verena Schmidt
Buchtipp: Färöer Inseln - ReiseMomente
Im Vogelparadies auf den zerklüfteten Felsklippen stehen und weit über das Nordmeer blicken: Das sind die ungezähmten, wilden Färöer Inseln. Ein Naturparadies, wo das Wetter pausenlos neue Lichtspiele auf die Fjordlandschaft zaubert, schmale Bergstraßen und -tunnel zu entlegenen Dörfern führen und die Moderne die Tradition umarmt.
Auf den Schafsinseln finden Outdoor-Aktive, die gern wandern, angeln, surfen, segeln, Rad fahren und fotografieren ihr ganz persönliches Abenteuer. Auch Modefans kommen im Land des Stricks auf ihre Kosten. Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Kallur Lighthouse, Saksun und der Vogelinsel Mykines laden eine Menge kulturelle Höhepunkte wie das G! Festival, Kunstgalerien und Museen zum Feiern und Verweilen ein. REISEMOMENTE Färöer Inseln stellt bekannte und weniger bekannte Mikroabenteuer auf dem nordatlantischen Archipel vor, von Familienerlebnissen über Achtsamkeitsmomente, aussichtsreiche Tageswanderungen, Instagram-Hotspots für Sonnenuntergänge, kulinarische Genüsse bis zu Bootstouren und nordischer Hochkultur: ein authentischer Urlaub kann beginnen.
Über die Autorin:
Verena Schmidt ist leidenschaftliche Weltenbummlerin, die ihre „heilige“ Sächsische Schweiz über alles liebt. Geboren 1982 in Dresden, studierte sie Ethnologie und Internationale Beziehungen in Tübingen und führte 10 Jahre lang Reisende durch verschiedene Kontinente der Erde. Nach einem Schicksalsschlag durchkreuzte sie für einen Wanderführer mit ihrer damals 13-jährigen Tochter zwei Sommer lang die kanadischen Rockies. Seitdem ist sie als Autorin und Vortragende zu den Themen Reisen und Wandern tätig. Zudem hat sie sich auf die Fahne geschrieben, Menschen in ihr Abenteuer zu bringen und die wilde Natur zu schützen.
Bibliographische Angaben:
- Taschenbuch: 256 Seiten, 9 Karten, 265 Fotos
- Verlag: 360° medien
- Auflage: 1. Auflage (Oktober 2025)
- Preis: 16,95 €
- ISBN: 978-3-96855-667-3
- Bestellmöglichkeit im Buchhandel oder über den Verlagsshop: 360grad-medienshop.de/rm-faeroeer





