Charante: Île d’Aix - auf den Spuren Napoleons
Charante: Île d’Aix - auf den Spuren Napoleons

21. Mai 2026

Charante: Île d’Aix - auf den Spuren Napoleons

Von den vier Inseln, die es in der Charente-Maritime gibt, ist tatsächlich nur Aix eine im klassischen Sinne, sprich: ausschließlich über das Wasser erreichbar – das jedoch an 365 Tagen im Jahr und von Fouras aus innerhalb von 20 Minuten. In dem vom Meer umspülten Naturparadies konzentriert sich ein wenig die gesamte Küstenlandschaft des Départements Charente-Maritime. Und überall begegnet einem Napoleon.

Steckbriefartig lässt sich über die Île d’Aix sagen, dass dort etwas mehr als 230 Einwohner leben und dass sie drei Kilometer lang und 600 Meter breit ist. Sie verfügt über ein Rathaus, eine Schule, eine Post und eine Bibliothek sowie über vier Museen und fünf Strände, von denen drei zum Baden freigegeben sind. Vor allem aber ist sie eine Insel, auf der Napoleon allgegenwärtig ist, und das nicht nur in Form der Büste, die einen gleich in der Nähe der Schiffsanlegestelle empfängt. Aufgestellt wurde diese 2015, 200 Jahre nachdem der 1815 zum Rückzug gezwungene Napoleon am damaligen 12. Juli die Insel betreten und die Unterkunft des Garnisonskommandanten bezogen hatte. Nur zwei Tage später, in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli, begab er sich in die Hand der Engländer und ins endgültige Exil.

Die Aussicht von der Insel. Foto von Christiane Filius-Jehne

Der ehemalige Kaiser hatte am 22. Juni auf Druck des Parlaments sein Amt niederlegen müssen. Er zog sich nach seiner Abdankung zunächst in das im Westen von Paris liegende Schloss Malmaison zurück, musste dieses jedoch aufgrund der heranrückenden Engländer und Preußen wieder verlassen. Mit kleinem Gefolge war er schließlich die Atlantikküste entlanggeirrt, um am Ende auf der Île d’Aix zu landen. Von dort hoffte er, nach Amerika oder zumindest nach England entkommen zu können. Wie wir aus der Geschichte wissen, wurde daraus jedoch nichts. Stattdessen fand er sich am 15. Oktober im Südatlantik auf St. Helena in der Verbannung wieder, wo er am 5. Mai 1821 starb.

Die Kirche auf der île d'Aix. Foto von Christiane Filius-Jehne

Für heutige Besucher lässt es sich auf der Île d’Aix ganz unmittelbar auf Napoleons Spuren wandeln: Von der Bootsanlegestelle kommend, biegt man rechts in den Quai de l'Acadie ein, um hinter dem großen Eingangstor erst einmal in Richtung Fort de la Rade zu gehen. Sein heutiges Aussehen und seinen Namen erhielt es durch Napoleon, und von seinen Festungsmauern (die an einigen Stellen bei den Unwettern zu Beginn des Jahres 2026 stark gelitten haben) hat man einen atemberaubenden Blick. Über die Rue Gourgaud geht es dann am Office de Tourisme vorbei bis zur Kirche, an der man in die Rue des Remparts einbiegt, um dann links in der Rue Napoléon auf das Musée Napoléon zu stoßen – dem Gebäude, in dem sich der ehemalige Kaiser an seinen letzten Tagen in Frankreich aufgehalten hatte. Dort sind zahlreiche Relikte ausgestellt, die ihm einst gehörten (so etwa das Bett, in dem er in diesen schicksalsträchtigen Nächten schlief). Vom Museum führt die Spurensuche an der Porte de Moulin und dann an der Batterie de Tridoux und der Bibliothek vorbei zum Fort Liédot (gut ausgeschildert). Dessen Geschichte beginnt 1808, als Napoleon I. die Arbeiten am Fort Boyard und die Verteidigungsanlagen der Île d'Aix inspizierte sowie den Bau einer Festung am oberen Ende der Insel anordnete, die bis dahin über keinen militärischen Schutz verfügte. Weil es sich auf dem höchsten Punkt der Île d'Aix befand, erhielt es zunächst den Namen Fort de la Sommité, wurde später jedoch im Andenken an einen 1812 im Russlandfeldzug gefallenen Oberst in Fort Liédot umgetauft. Dieses erlebte im Laufe seiner Geschichte verschiedene Nutzungen, etwa als Gefängnis oder später als Ferienkolonie. Seit 1995 kann es besichtigt werden.

Musée Napoléon. Foto von Klaudia Kröning

Für den Rückweg empfiehlt sich ein Abstecher an die Westküste, an der entlang es sich mit herrlichem Blick aufs Meer zurück spazieren lässt.

Informationen:
  • LAGE: Die Insel liegt neun Kilometer vor Fouras, zwischen der Île de Ré und der Île d’Oléron.
  • ANREISE: mit dem Schiff, ganzjährig von Fouras aus, in der Saison auch von La Rochelle, Saint-Martin-de Ré, La Tranche-sur-Mer, Port-des-Barques oder der Île d’Oléron (Boyardville oder Saint-Denis)
  • AKTIVITÄTEN:
    • Rundweg entlang der Nord- und West-Küste: Nach der Besichtigung des Fort Liédot kann man an der D 214E6 in östliche Richtung zur Pointe de Coudepoint weitergehen, von wo aus man ein großartiges Panorama genießt. Von dort lässt sich (über Les Sables Jaunes) der nördliche Teil der Insel umwandern, vorbei an der Pointe Saint-Eulard, um schließlich – am Meer sowie an herrlichen Aussichtspunkten (und an verschiedenen Batterien) entlang – über den Fußweg an der Westküste in den Ort zurückzukehren. Für diesen (Rück-)Weg sollten gut 1,5 Stunden eingeplant werden.
  • EINKEHREN:
  • ÜBERNACHTEN:
    • Hotel Napoléon: Wie sollte auch das einzige Hotel auf der Insel anders heißen! Hierhin zog sich Georges Simenon zurück, um seine große Liebe Josephine Baker zu vergessen; auf der Terrasse des familiengeführten Boutique-Hotels mit Blick aufs Meer kann man auch die vorzügliche regionale Küche des hauseigenen Restaurants genießen; 1 Rue Gourgaud, 17123 Île d’Aix, hotel-ile-aix.com
  • WEBSEITEN:

Beitragsbild: La Grande Plage an der Westküste der Insel. Foto von Christiane Filius-Jehne

Buchtipp: Charente & Charente-Maritime - 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Die Départements Charente-Maritime und Charente, auch Les Charentes genannt und verbunden durch den namengebenden Fluss, liegen im Herzen der französischen Atlantikküste und im westlichen Teil der Region Nouvelle-Aquitaine. Klimatisch wie kulturell ist diese Gegend, zu der Städte wie La Rochelle, Angoulême, Saintes, Cognac und Royan, die Inseln Ré und Oléron oder Schlösser wie das Château de La Rochefoucauld zählen, eine faszinierende Mischung aus frischem atlantischem Norden und mildem, warmem Süden.

Viel Sonnenschein, eine belebende Atlantikbrise und ein unglaubliches Licht prägen diesen Landstrich. Die 470 Kilometer umfassende Küste, malerische Flüsse, Weinberge, romanische Kirchen, sechs Welterbestätten und eine Vielzahl an internationalen Festivals machen die Charentes zu einem ganzjährig attraktiven Reiseziel. Hier verbinden sich Meer und weite Natur zu einer vielseitigen Landschaft voller Authentizität. Dieses Buch enthält 50 handverlesene Tipps, die Sie zu den schönsten Orten, kulinarischen Genüssen und unvergesslichen Erlebnissen in der Charente und der Charente-Maritime führen – und Lust darauf machen, die Region selbst zu erkunden.

Über die Autorin: 
Christiane Filius-Jehne hat Französisch und Geschichte studiert und sich auch später als Lektorin und Übersetzerin immer wieder gern Frankreich zugewandt. Ihre Liebe zu den Charentes entdeckte sie schon in ihrer Jugend bei einem Aufenthalt auf der Île de Ré. Seitdem ist sie der Gegend treu geblieben, wo sie in La Rochelle inzwischen auch ein zweites Zuhause gefunden hat. Von dort aus hat sie viele wunderbare – versteckte und weniger versteckte – Orte erkundet und zwischen Atlantik, Flüssen und Rebfeldern immer neue Geschichten ausfindig gemacht, die von der wunderschönen Landschaft und der Lebensfreude dieser bemerkenswerten Region erzählen.

  • Taschenbuch: 256 Seiten, 304 Fotos, 9 Karten
  • Format: 16,5 x 11,5 cm
  • Verlag: 360° medien; 1. Auflage 2026
  • Preis: 16,95 €
  • ISBN: 978-3-96855-677-2

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