Umbrien: Spello - ein umbrisches Juwel
Umbrien: Spello - ein umbrisches Juwel

26. Februar 2026

Umbrien: Spello - ein umbrisches Juwel

Nicht nur während der Infiorata wandelt man in Spello zwischen Blüten: Mit üppiger Blumendekoration an Hauseingängen und Treppen versuchen sich die Einwohner von Mai bis August gegenseitig zu überbieten. Voller Stolz weisen sie sogar auf Auszeichnungen in der Kategorie „Blumengeschmückte Fenster, Balkone und Gassen“ hin.

Die Infiorata, das „Fest der Blumenverzierungen“ verwandelt Spello alljährlich in ein Blumenmeer. Die Tradition, aus unzähligen Blütenblättern Bilder auf die Straßen zu zaubern, geht zurück auf das 17. Jahrhundert und wird in ganz Italien gelebt. Am bekanntesten sind die Feiern in Noto auf Sizilien, in Genzano bei Rom sowie im umbrischen Spello. Wer nicht an der Prozession am Sonntag nach Corpus Domini, dem italienischen Fronleichnam, teilnehmen will, hat auch danach noch Gelegenheit, die riesigen Blumenteppiche auf den Straßen der Altstadt zu bewundern. 

Doch sehenswert ist das reizende Städtchen an den Hängen des Monte Subasio, das zur Vereinigung „Borghi più belli d‘Italia“ gehört, das ganze Jahr lang.

Blick auf Spello. Foto von Adobe Stock, ArTo

Spello lässt sich gut zu Fuß vom Bahnhof oder vom Parkplatz neben dem Museum der Villa dei Mosaici entdecken. Einen Stadtplan erhält man dort  bei der kompetenten Touristeninformation. Der Besuch dieser römischen Villa mit ihren beeindruckenden Mosaiken aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. ist sehr lohnenswert. Denn das 2018 eröffnete Museum lässt den Besucher dank Videorekonstruktionen direkt in die Zeit des römischen Reichs eintauchen, nachdem das ursprünglich umbrische Spello im 1.Jahrhundert v. Chr. zur Kolonie Julia Hispellum geworden war.

Triclinium. Foto von Christina Danisio

2005 wurde rein zufällig während der Arbeiten an einem Parkplatz ein römisches Mosaik zutage befördert. Nach und nach kam immer mehr zum Vorschein. Heute kann man die Reste der Villa auf einer Fläche von 360 Quadratmetern besichtigen. Besonders beeindruckend ist das Triclinium, benannt nach dem Sofa, auf dem im antiken Griechenland sowie im Römischen Reich das Essen eingenommen wurde. Die Mosaiken dieses Bankettsaals zeigen Szenen rund um Bacchus und die Weinernte sowie allerlei Getier.

Von den Römern stammt auch die Porta Consolare, eines der drei Stadttore, die beim Betreten der Altstadt sofort ins Auge fällt. Interessant ist der Olivenbaum auf dem mittelalterlichen Turm daneben, der auf die Olivenölproduktion in dieser Gegend hinweist.

Malerische Gassen. Foto von Christina Danisio

Bevor man sich vollends in den malerischen Gassen mit ihren Restaurants, Weinstuben und kleinen Geschäften verliert, sollte man sich Zeit für die Kirche Santa Maria Maggiore nehmen. Die Cappella Baglioni birgt ein Kleinod der Renaissance: Der berühmte umbrische Maler Pinturicchio stattete 1501 die gesamte Kapelle mit farbenprächtigen Fresken aus und stellte drei Szenen aus dem neuen Testament vor einer Landschaft oder klassischen Bauten naturgetreu dar. Neben vielen Details und dem Selbstporträt des Malers an der linken Seite lohnt ein Blick auf den Fußboden mit Keramikfliesen aus Deruta, dem umbrischen Zentrum der Keramikproduktion. Mehr von Pinturicchio gibt es in der Kirche von Sant’Andrea ein paar Häuser weiter zu sehen. 

Dann führen die Straßen immer weiter nach oben bis zum Aussichtspunkt Belvedere, wo ein weiter Blick auf das Tal des Valle Umbra wartet. Während die Reste des unterhalb gelegenen römischen Amphitheaters kaum zu erkennen sind, ist der römische Bogen Arco dell’Arce hier oben noch intakt.

Kunst am Belvedere und Arco dell‘Arce. Foto von Christina Danisio

Wer Zeit hat, kann ab hier in circa zehn Minuten zu den Überresten eines römischen Aquädukts, dem „Acquedotto romano“ laufen: Durch das römische Stadttor Porta Montanara folgt man der Via Bulgarello zu einem Trinkwasserbrunnen, wo man den Beginn des Aquädukts erkennen kann. Hier beginnt eine längere Wanderung entlang der Straße in Richtung Collepino. Der ausgeschilderte Weg zieht sich wunderschön an den Ausläufern des Monte Subasio entlang und bietet herrliche Ausblicke zurück auf Spello.

Weg entlang des Aquädukts. Foto von Christina Danisio

Eine Zeitlang geht es am Aquädukt entlang, das nur als Steinmauer zwischen den Olivenhainen erkennbar ist. Nach sieben Kilometern erreicht man über einen steilen Anstieg den hoch oben gelegenen Ort Collepino. 

Wer lieber wieder zurück durch die Stadt geht, sollte das Sträßchen entlang der Stadtmauer nehmen, das einen Blick auf die Torri del Properzio mit der Porta Venere ermöglicht. 

Informationen:

Beitragsbild: Blumenpracht. Foto von Christina Danisio

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Über die Autorin:
Christina Danisio ist Deutsche mit italienischen Wurzeln und fühlt sich stets zwischen beiden Ländern hin- und hergerissen. Dabei hat es ihr vor allem das Zentrum Italiens angetan. Als freie Journalistin, Buchautorin und Übersetzerin gilt ihre Liebe neben Italien, wo sie teils in Florenz studiert hat, auch Australien, das sie immer wieder bereist. Down Under stellt sie in ihren Reise-Erlebnisbüchern und Multivisionsshows vor, Artikel über weltweite Ziele erscheinen in diversen Zeitschriften. Stets geht es ihr um das Erzählen persönlicher Geschichten und das Neugierigmachen. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

Bibliographische Angaben:

  • Taschenbuch: 256 Seiten, 280 Bilder, 7 Karten
  • Verlag: 360° medien
  • Auflage: 1. Auflage (März 2024)
  • Preis: 16,95 €
  • ISBN: 978-3-96855-399-3
  • Bestellmöglichkeit im Buchhandel oder über den Verlagsshop: 360grad-medienshop.de/rm-Umbrien